Partizipationsverfahren und -prozesse in Forschungsorganisationen. Impact auf Forschungsagenden und Herausforderungen für die (Weiter-)Entwicklung transdisziplinärer Methoden (PaFo)

Projektbeschreibung

Hintergrund

Immer wieder wird aus Politik, Gesellschaft sowie Wissenschaft die Forderung nach öffentlicher) Partizipation in Entscheidungsprozesse und Forschungsschwerpunkten laut – eine Forderung, die auf der Idee beruht, dass wissenschaftliche Wissensproduktion und gesellschaftliche Mitgestaltung nicht getrennt voneinander gedacht werden. Gleichzeitig zeigen sich in der Praxis jedoch vielfältige Herausforderungen – methodischer, institutioneller und epistemischer Natur. Wie genau die Ergebnisse partizipativer Prozesse von den Teilnehmerinnen, den involvierten Wissenschaftlerinnen und den jeweiligen Forschungsorganisationen aufgenommen und genutzt werden (oder auch nicht), bleibt eine empirische Frage. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Integration von Partizipationsergebnissen kein linearer Prozess ist, sondern von spezifischen situativen, infrastrukturellen und machtförmigen Konstellationen geprägt wird. Diese Frage nach den Wirkungen von Partizipationsprozessen ist jedoch von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die Beteiligung auf sinnvolle und nachhaltige Weise zu integrieren.

Hier setzt das PaFo-Projekt an, indem es partizipative Aktivitäten intensiv begleitet und wissenschaftlich erforscht, um Wissenslücken bezüglich der tatsächlichen Integration von Partizipationsergebnissen in unterschiedlichen forschungsorganisatorischen Strukturen anzugehen. Dabei wird die Frage nach Wirkung nicht als statische Größe begriffen, sondern als relationales Gefüge, das sich entlang spezifischer Akteurskonstellationen, institutioneller Rahmenbedingungen und materieller Anordnungen entfaltet. Um diese Dynamiken empirisch zu erfassen, setzt PaFo auf einen Mixed-Methods-Ansatz, der qualitative und quantitative Verfahren kombiniert. Die Herausforderung liegt nicht nur in der Messung von Wirkungen, sondern in der Entwicklung kontextspezifischer Indikatoren, die sowohl die Situationalität von Partizipationsprozessen als auch deren Vergleichbarkeit berücksichtigen.

Daraus ergibt sich eine doppelte Bewegung: Einerseits ermöglicht die empirische Analyse eine kritisch-reflexive Betrachtung von Partizipationsverfahren und deren institutioneller Einbindung, andererseits kann das so gewonnene Wissen für die Weiterentwicklung partizipativer Forschung und ihrer epistemischen, sozialen und politischen Verankerung genutzt werden. Letztlich eröffnet dies Potenziale für einen Wissenstransfer, der nicht nur zwischen „Gesellschaft“ und „Wissenschaft“ verläuft, sondern auch innerhalb wissenschaftlicher Institutionen selbst neue Aushandlungsprozesse anstößt.

Ziel des Projekts

Ziel des PaFo Projekts ist die Beantwortung folgender Forschungsfragen:

  • Ob bzw. wie kann der Impact von partizipativen Formaten auf die Forschung gemessen werden?
  • Wie lassen sich die Ergebnisse der Dialogverfahren konstruktiv und langfristig in Forschungsagenden und in Forschungsorganisationen integrieren? Was hindert diese? 
  • Wie verändert sich die Perspektive der Beteiligten (Bürger:innen, Wissenschaftler:innen, Administration) durch Partizipation? 

Obwohl partizipative Ansätze zunehmend Einzug in Forschungsorganisationen halten, bleibt die systematische Untersuchung ihrer tatsächlichen und langfristigen Wirkungen oft aus. Dies liegt unter anderem daran, dass es an konkreten Kriterien fehlt, um den Effekt partizipativer Prozesse angemessen zu erfassen. Partizipation wird dabei häufig als normative Praxis befürwortet, ohne dass ihre strukturelle Verankerung oder epistemische Konsequenzen kritisch reflektiert werden. Genau hier setzt PaFo an: Am Beispiel der Partizipation am KIT entwickelt das Projekt kontextspezifische Impact-Kriterien, die nicht nur angewendet, sondern auch in einem fortlaufenden Reflexionsprozess hinterfragt und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, nicht nur Erkenntnisse über die Integration partizipativer Prozesse zu gewinnen, sondern auch methodische Impulse für deren Weiterentwicklung zu generieren.

Publikationen


2024
Proceedingsbeiträge
Trust in Science? Revisiting Participatory Science and Framing Knowledge as a Gift
Sörgel, F.
2024. Conference Proceedings of the 22nd STS Conference Graz 2024. Ed.: G. Getzinger, Verlag der Technischen Universität Graz. doi:10.3217/978-3-99161-033-5-003
Vorträge
Emotionen und Innovation. Aushandlungs- und Bewertungsprozesse während der Prototypenentwicklung
Sörgel, F.
2024. Innovationskolloquium (Seminar), BA Soziale Innovation (2024), München, Deutschland, 7. November 2024 
The Management of Knowledge by Scientists in Participatory Procedures and Processes
Sörgel, F.
2024. 22nd Annual STS Conference Graz 2024 „Critical Issues in Science, Technology and Society Studies“ (2024), Graz, Österreich, 6.–8. Mai 2024 
Wirkungsmessung partizipativer Formate (in Reallaboren)
Sörgel, F.
2024. DVWG-Summit (2024), Wuppertal, Deutschland, 16.–17. April 2024 
Wirkungsmessung partizipativer Formate in Reallaboren
Sörgel, F.; Albiez, M.; Weinberger, N.
2024. "Reallabore – ExperimentierRäume für den Weg in eine nachhaltige Gesellschaft" (2024), Dresden, Deutschland, 11.–12. April 2024 
2023
Vorträge
Partizipation und Forschungsorganisationen: Impact Messung und Integration von Ergebnissen
Sörgel, F.; Scherz, C.; Hahn, J.; Weinberger, N.; Milchram, C.; Maia, M., Albiez, Marius
2023, November 24. 2nd PartWiss23: Tagung zur Vernetzung und Stärkung von Partzipaton in der Wissenschat (PartWiss 2023), Chemnitz, Deutschland, 22.–24. November 2023 

Kontakt

Dr. Julia Hahn
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 030 40750493
E-Mail

Dr. Franziska Sörgel
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-23166
E-Mail